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Plätze & Arkaden

Piazza San Carlo (der „Salon" Turins)

Turins eleganter Barockplatz an der Via Roma – die Zwillingskirchen, das Reiterdenkmal Caval ëd Brôns und historische Cafés unter den Arkaden. Frei zugänglich.

Piazza San Carlo (der „Salon" Turins)
Inhalt

Der „Salon” Turins

Die Piazza San Carlo gilt als der eleganteste Platz der Stadt und trägt traditionell den Beinamen salotto di Torino – das Wohnzimmer oder der Salon Turins. Er liegt an der Prachtstraße Via Roma, auf halbem Weg zwischen dem Bahnhof Porta Nuova und der Piazza Castello, und ist damit fast unausweichlich auf jedem Innenstadt-Spaziergang. Trotz seiner Größe wirkt der streng symmetrische, von Arkaden gerahmte Raum erstaunlich intim.

Angelegt wurde der Platz ab 1637 nach Plänen des Architekten Carlo di Castellamonte, im Auftrag der Madama Reale Maria Cristina von Frankreich. Vorbild waren die französischen places royales – also der Pariser Typus des repräsentativen, rundum einheitlich bebauten Stadtplatzes. Die durchlaufenden Arkadenfassaden mit ihren Säulenpaaren rahmen den Platz bis heute als Bühne der südlichen Stadterweiterung; sie diente zugleich als Markt- und Repräsentationsraum.

Das „bronzene Pferd” in der Mitte

In der Platzmitte erhebt sich das Reiterstandbild Emanuele Filibertos, das die Turiner schlicht Caval ëd Brôns („bronzenes Pferd”) nennen – ein beliebter Treffpunkt und der optische Anker des ganzen Platzes. Geschaffen hat es der Bildhauer Carlo Marochetti (1805–1867); gegossen wurde die Statue in Paris und am 4. November 1838 in Turin eingeweiht.

Die Darstellung ist genau gewählt: Sie zeigt den Herzog, wie er nach dem Sieg in der Schlacht von Saint-Quentin (1557) das Schwert in die Scheide steckt – also den Moment des Friedens nach dem Triumph. Zwei Reliefs am Sockel erinnern an Saint-Quentin und an den Frieden von Cateau-Cambrésis. Emanuele Filiberto von Savoyen (1528–1580) verlegte die Hauptstadt des Herzogtums nach Turin und gilt als Begründer von Turins Aufstieg; das Denkmal feiert ihn als Feldherrn und Staatsmann zugleich.

Die Zwillingskirchen an der Südseite

An der Südseite schließen die beiden barocken Zwillingskirchen den Platz Richtung Via Roma ab – ein bewusst gesetzter, symmetrischer Abschluss, der dem ganzen Ensemble seine Theatralik gibt.

  • Santa Cristina wurde ab 1639 auf Wunsch von Maria Cristina von Frankreich errichtet. Ihre barocke Fassade entstand 1715–1718 nach einem Entwurf von Filippo Juvarra, dem prägenden Barockarchitekten Turins.
  • San Carlo Borromeo trägt eine erst im 19. Jahrhundert nach Entwurf von Ferdinando Caronesi gestaltete Fassade. Die Kirche ist eine aktive Pfarrkirche und frei besichtigbar.

Beide sind Pfarrkirchen und kostenlos zugänglich. Von außen wirken sie wie ein Paar; im Detail – Fassadenrhythmus und Entstehungszeit – unterscheiden sie sich deutlich. Für einen kurzen Blick ins Innere genügen wenige Minuten; während der Messe ist eine touristische Besichtigung nicht möglich.

Die historischen Cafés unter den Arkaden

Unter den Arkaden reihen sich einige der berühmtesten historischen Cafés Turins. Wichtig zur Orientierung: Caffè San Carlo und Caffè Torino sind zwei verschiedene Häuser, die oft verwechselt werden.

  • Das Caffè San Carlo im Palazzo Turinetti war im 19. Jahrhundert ein intellektueller Salon des Risorgimento – Cavour und d’Azeglio verkehrten hier, später Giolitti und Einaudi. Nach längerer Pause wurde es im Dezember 2022 unter Führung der Costardi Bros mit Caffetteria, Bistro und dem Restaurant SCATTO wiedereröffnet; geöffnet ist täglich etwa von 8 bis 22 Uhr.
  • Das Caffè Torino (Piazza San Carlo 204) mit seinen prunkvollen, spiegelverzierten Sälen hat täglich von 7:30 bis 24:00 Uhr geöffnet.

Hier lässt sich die Turiner Kaffeehaustradition zelebrieren – am besten bei einem Espresso, einem Bicerin oder einem Aperitivo am frühen Abend. Mehr dazu im Guide Cafés & Aperitivo.

Besuch und Praktisches

Der Platz ist frei zugänglich und ein idealer Zwischenstopp auf dem Weg durch die Via Roma – er lässt sich gut mit der Piazza Castello und den Palästen am Hauptplatz zu einem Rundgang verbinden. Die Piazza San Carlo liegt in der Fußgängerzone der Via Roma; vom Bahnhof Porta Nuova sind es nur wenige Gehminuten.

Für Platz, einen Blick in die Kirchen und einen Kaffee unter den Arkaden plant man 30 bis 45 Minuten ein. Am stimmungsvollsten ist der frühe Abend zur Aperitivo-Zeit, wenn sich die Tische füllen; wer fotografieren will, kommt zum weichen Morgenlicht oder zur blauen Stunde, wenn die Fassaden angestrahlt sind. Die Kirchen-Öffnungszeiten können von Gottesdiensten abweichen – während der Messe ist keine Besichtigung möglich.

Häufige Fragen

Kostet der Besuch der Piazza San Carlo etwas?+

Nein. Der Platz ist frei zugänglich, und auch die beiden Zwillingskirchen Santa Cristina und San Carlo Borromeo sind als Pfarrkirchen kostenlos zu besichtigen. Geld gibt man hier nur in den historischen Cafés aus, wo Espresso und Aperitivo zu Innenstadtpreisen serviert werden.

Was hat es mit dem „bronzenen Pferd” auf sich?+

Das Reiterstandbild in der Platzmitte zeigt Herzog Emanuele Filiberto, der Turin zur Hauptstadt machte. Die Turiner nennen es Caval ëd Brôns, „bronzenes Pferd”. Carlo Marochetti schuf es, gegossen wurde es in Paris, eingeweiht am 4. November 1838. Es zeigt den Herzog, wie er nach dem Sieg von Saint-Quentin das Schwert in die Scheide steckt.

Sind Caffè San Carlo und Caffè Torino dasselbe?+

Nein, das sind zwei verschiedene historische Cafés unter denselben Arkaden. Das Caffè Torino auf der einen Seite ist täglich von 7:30 bis 24:00 Uhr geöffnet, das Caffè San Carlo im Palazzo Turinetti täglich etwa von 8 bis 22 Uhr. Beide blicken auf eine lange Tradition zurück.

Wann ist die beste Zeit für den Platz?+

Am stimmungsvollsten ist der frühe Abend zur Aperitivo-Zeit, wenn sich die Tische unter den Arkaden füllen. Für Fotos lohnt das weiche Morgenlicht oder die blaue Stunde, wenn die Fassaden angestrahlt werden. Für Platz und Cafés reichen 30 bis 45 Minuten.