Guarinis Hofkirche an der Piazza Castello
Die Real Chiesa di San Lorenzo steht an der Nordseite der Piazza Castello, unmittelbar neben dem Palazzo Reale – sie war die Hofkirche der Savoyer. Wer sie sucht, läuft leicht daran vorbei: Von außen verzichtet das Gebäude bewusst auf eine repräsentative Kirchenfassade und ordnet sich in die Häuserfront am Platz ein. Das ganze Schauspiel spielt sich im Inneren ab, und genau das macht den Reiz aus.
Errichtet wurde sie nach Plänen des Theatinermönchs Guarino Guarini (1624–1683) und 1680 vollendet; sie ersetzte eine ältere, 1562 von Emanuele Filiberto gestiftete Kapelle. Guarini war Mathematiker und Architekt zugleich und gilt als einer der kühnsten Köpfe des Barocks. San Lorenzo zählt zu seinen Meisterwerken: Hier entwickelte er die Prinzipien Borrominis mit waghalsiger Geometrie und optischen Effekten über die Grenzen des konventionellen Barocks hinaus.
Die sternförmige Rippenkuppel
Das Herzstück ist die Kuppel. Acht sich überkreuzende Steinrippen spannen sich darüber und bilden im Inneren einen achtzackigen Stern – ein verschränktes Gitterwerk, das an islamische Architektur erinnert. Diese Rippen tragen die Kuppel, und zwischen ihnen sitzen Fenster, durch die das Tageslicht dramatisch in den Raum fällt. Darüber sitzt eine achteckige Laterne.
Ebenso bemerkenswert ist, wie sich der Raum nach oben wandelt: Der Grundriss geht vom Quadrat über ein Achteck auf Gebälkhöhe bis zum griechischen Kreuz auf Höhe der Pendentifs. Das Auge wird so unmerklich nach oben in die Kuppel gezogen – ein zentraler, vertikal aufstrebender Raum, der ohne klassische Schaufassade auskommt und seine ganze Wirkung aus Geometrie und Licht bezieht.
Was dich im Inneren erwartet
- Der reich gegliederte Zentralraum mit Hauptaltar, Orgel und Kanzel
- Mehrere Seitenkapellen – darunter Addolorata, Kruzifix, San Gaetano, Immacolata, Natività, Annunciazione und Purgatorio
- Nahe der Sakristei eine originalgetreue Kopie des Turiner Grabtuchs; das Original ruht im Turiner Dom
Für den kompakten Raum reichen 20 bis 30 Minuten. Wer die Architektur genauer studieren will, kommt am besten am späten Vormittag oder frühen Nachmittag bei Sonne, wenn das Licht durch die Fenster der Rippenkuppel fällt – und außerhalb der morgendlichen Messzeiten, dann ist es am ruhigsten.
Besuch und Praktisches
Der Eintritt ist frei, ein Ticket braucht man nicht. Ehrenamtliche erläutern die Kirche kostenlos (Mo–Sa 9 bis 12 und 15:30 bis 18 Uhr, an Sonn- und Feiertagen nur nachmittags); für Gruppenführungen empfiehlt sich eine telefonische Anmeldung. Wie in jeder aktiven Kirche gilt angemessene Kleidung, und während der morgendlichen Gottesdienste ist keine Besichtigung möglich – die Besichtigungszeiten weichen deshalb von den allgemeinen Öffnungszeiten ab.
San Lorenzo liegt mitten im Zentrum an der Piazza Castello (Via Palazzo di Città 4). Die Bushaltestelle Castello ist nur rund zwei Gehminuten entfernt (u. a. Linien 11, 14, 18, 51, 55, 56 sowie Tram 4 und 15). Vom Bahnhof Porta Nuova sind es etwa 1 km bzw. 15 Gehminuten, alternativ die Metrolinie 1 oder Tram 4 Richtung Zentrum. Mehr dazu im Guide Anreise & Mobilität.
Der Besuch lässt sich gut mit dem benachbarten Palazzo Reale und dem Turiner Dom zu einem Rundgang verbinden. Wer sich für Guarinis Architektur begeistert, findet seine kühne Grabtuchkapelle am Dom wieder. Einen Überblick über die sehenswerten Kirchen der Stadt gibt der Guide Kirchen in Turin.