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Kirchen & Dom

Gran Madre di Dio (Klassizistische Kuppelkirche am Po)

Turins Pantheon-Kirche am rechten Po-Ufer – klassizistischer Kuppelbau von 1818–1831, Wahrzeichen des Borgo Po, frei zugänglich und um Graal-Legenden gerankt.

Gran Madre di Dio (Klassizistische Kuppelkirche am Po)
Inhalt

Turins Antwort auf das Pantheon

Am rechten Po-Ufer, direkt gegenüber der Piazza Vittorio Veneto, schließt die Gran Madre di Dio die Blickachse vom Zentrum über die Brücke ab. Der streng klassizistische Kuppelbau mit seinem sechssäuligen korinthischen Pronaos auf erhöhtem Sockel zitiert offen das Pantheon in Rom: Zentralraum, Säulenvorhalle und eine Kuppel mit kassettierter Decke. Entworfen hat ihn der Hofarchitekt der Savoyer, Ferdinando Bonsignore (1760–1843). Erreichbar ist der Eingang über eine monumentale Freitreppe, die der Kirche von der Piazza und vom Flussufer aus ihre Bühnenwirkung gibt. Die Gran Madre ist der Mittelpunkt des Viertels Borgo Po und eines der Wahrzeichen am Turiner Flussufer.

Errichtet als Dank für die Savoyer

Gebaut wurde die Kirche zwischen 1818 und 1831 – als Dank für die Rückkehr von König Vittorio Emanuele I. von Savoyen am 20. Mai 1814, nach dem Ende der napoleonischen Herrschaft über das Piemont. Die Grundsteinlegung erfolgte 1818. Vor der Kirche erinnert ein Monumentaldenkmal an eben jenen Vittorio Emanuele I. 1932 kam unter dem Bau ein Sacrario (Ossarium) für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs hinzu. Die Gran Madre ist damit weniger eine mittelalterliche Glaubensstätte als ein politisches Denkmal der Restauration – sichtbar an ihrer betont staatstragenden, antikisierenden Architektur.

Die Statuen und die Graal-Legende

An der Freitreppe stehen zwei Figuren: Fede (Glaube) und Religione (Religion). Die Fede-Statue hält einen Kelch in der Hand – und genau daran knüpft eine der bekanntesten Turiner Stadtlegenden an: Ihr Blick weise angeblich den Weg zum verborgenen Heiligen Gral. Das hat der Gran Madre den Ruf als „esoterischste Kirche Turins” eingetragen und sie zu einem festen Punkt der Stadt-der-Magie-Touren gemacht. Historisch belegt ist von alldem nichts; die Geschichten sind volkstümliche Mythen rund um Turins okkulten Ruf, nicht Teil der Bauidee. Wer sie kennt, schaut die Treppe trotzdem mit anderen Augen an.

Was dich erwartet

  • Der Blick von der Piazza Vittorio Veneto über die Brücke auf Freitreppe, Säulenvorhalle und Kuppel – das eigentliche Postkartenmotiv, oft eindrucksvoller als das Innere
  • Ein vergleichsweise nüchterner, klassizistischer Innenraum unter der Pantheon-Kuppel
  • Die Statuen Fede und Religione an der Freitreppe samt der Graal-Legende
  • Das Denkmal Vittorio Emanuels I. vor der Kirche

Für die Kirche selbst reichen 20 bis 30 Minuten. Sie ist kein Pflichttermin wie der Turiner Dom oder die Basilica di Superga, lohnt sich aber als kurzer Abstecher, wenn du ohnehin ans Po-Ufer gehst.

Besuch und Praktisches

Der Eintritt ist frei – die Gran Madre ist eine aktive Pfarrkirche der Diözese Turin (Pastoraleinheit Nr. 22 Cavoretto), kein Museum (Adresse: Piazza Gran Madre di Dio 4). Als Richtwert öffnet sie Montag bis Samstag von 8 bis 19 Uhr und sonntags von 8 bis 22 Uhr; einzelne Quellen nennen abweichend täglich 7:30 bis 19 Uhr. Während der Gottesdienste (sonntags mehrere Messen, abends Rosenkranz) ist die Besichtigung eingeschränkt, und es gilt angemessene Kleidung. Telefonisch erreichst du die Pfarrei unter +39 011 819 3572.

Vom Zentrum sind es nur wenige Minuten zu Fuß über die Brücke Ponte Vittorio Emanuele I. Mit dem Nahverkehr fahren die Straßenbahnlinie 13 und mehrere Buslinien (u. a. 53, 56, 61) zur Haltestelle Gran Madre an der Piazza. Am schönsten wirkt der Bau im warmen Licht des Vormittags oder späten Nachmittags. Gut kombinieren lässt sich der Abstecher mit einem Spaziergang am Parco del Valentino flussaufwärts oder einem Blick zurück auf die Skyline mit der Mole Antonelliana. Wer Turins Sakralbauten vertiefen will, findet im Kirchen-Überblick weitere Ziele vom Dom bis Superga.

Häufige Fragen

Was kostet der Eintritt in die Gran Madre di Dio?+

Der Eintritt ist frei. Die Gran Madre di Dio ist eine aktive Pfarrkirche der Diözese Turin (Pastoraleinheit Nr. 22 Cavoretto), kein Museum. Wie in jeder Kirche gilt angemessene Kleidung, und während der Gottesdienste ist die Besichtigung nur eingeschränkt möglich.

Wie kommt man zur Gran Madre di Dio?+

Die Kirche steht am rechten Po-Ufer auf der Piazza Gran Madre di Dio, direkt gegenüber der Piazza Vittorio Veneto. Vom Zentrum geht man in wenigen Minuten zu Fuß über die Brücke Ponte Vittorio Emanuele I. Mit dem Nahverkehr fahren die Straßenbahnlinie 13 und mehrere Buslinien (u. a. 53, 56, 61) zur Haltestelle Gran Madre.

Warum gilt die Gran Madre als esoterischste Kirche Turins?+

An der Freitreppe stehen die Statuen Fede (Glaube) und Religione (Religion). Um die Fede-Statue, die einen Kelch in der Hand hält, ranken sich populäre Legenden, sie weise den Weg zum Heiligen Gral. Belegt ist davon nichts – die Geschichten gehören zu Turins Ruf als Stadt der Magie, nicht zur Bau- oder Kirchengeschichte.